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Andrea Heidekorn

Andrea Heidekorn

 

Seit 1959 tanzend, singend, kommunizierend, forschend unterwegs – momentan freiberuflich und als Professorin. Eurythmie ist ihr Leben, die Verwandlung der Welt ihre Passion, die Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Spiritualität ihre Methode – dazwischen stetig aufzuwachen ihre Antriebskraft.

4 Fragen an Andrea Heidekorn

Was bewegt Dich in Bezug auf Deine eigene künstlerische Arbeit?

Mensch bin ich nicht einfach – Mensch werde ich, mit jedem Gefühl, jedem Gedanken. Jeder Tag entwickle ich mich weiter und tiefer in ein Mensch-Sein. Künstlerisches Tätigsein ist für mich DAS Feld für diesen Prozess. Es hat zunächst gar keinen Nutzen – ich baue kein Haus – und dennoch ist es voller Sinn, denn es gibt ein Thema, ein Ziel, einen absolut herausfordernden Prozess, der in jedem Moment authentische Entscheidungen erfordert. Das Material, mit dem ich umgehe, ist bei mir als darstellende Künstlerin Atem, Stimme, Bewegung ... also ich selbst. Hier bin ich direkt mit meiner und der Biografie meiner Mitmenschen verbunden, und unmittelbar auch mit der Umgebung, der Welt, in der wir leben – ich schaffe Kultur – das heißt menschlich veränderte Welt.
Dafür gebe ich mir und allen Menschen, die mit mir arbeiten wollen, Raum und Zeit.
Eine unschätzbare Kostbarkeit – ich bin dankbar dafür.

Was möchtest Du – in Bezug auf die künstlerische Vermittlung – bewegen?

Sozial-künstlerische Methodik ist mein Schwerpunkt – WIE arbeiten wir zusammen? Authentisch, aufmerksam, achtsam – mit Wertschätzung vor der Freiheit jeder einzelnen Persönlichkeit, die an einem Prozess beteiligt ist. Professionalität im FACH spielt da für mich zunächst nicht die wichtigste Rolle. Sozial-künstlerisch tätig Sein heißt für mich: gemeinsam situativ stimmige Prozesse gestalten, die für jede:n Beteiligte:n Neues eröffnen.
Es geht also in meiner Arbeit hier NICHT um künstlerische Vermittlung (Hochschule und Berufsausbildung, was ich auch anbiete, sind ein anderes Thema!) – sondern um gemeinsames Gestalten – und ich stelle die Techniken meiner Professionalität (Atem, Stimme, Bewegung) zur Verfügung, andere Beteiligte ihre ... so gibt es Befruchtung und Verwandlung – und darauf kommt es mir an: Momente des Mensch-Werdens zu ermöglichen, und dadurch real Materie, Welt, Umwelt zu verwandeln. Im ganz kleinen Moment – wie in vielen kleinen Wendepunkten ...

Wie bist Du "in der Welt" zuhause?

Ich informiere mich täglich über das, was geschieht und übe, in der Flut schwimmend zu bleiben.
Ich bewege mich täglich in Freiräumen, die ich mir schaffe – mental, empfindend, stimmlich, musikalisch, tänzerisch – und dann beobachte ich staunend, was im Alltag mit Familie, Freund:innen, Kolleg:innen gelingt, oder sich einfach nicht verwirklicht, und versuche Scheitern und Fehler mit Achtung vor meinem guten Willen als Ansporn und Ermutigung lesen zu lernen.

Ich liege herum – Couch, Bett, Liegestuhl, Sauna, Badewanne, Wiese ––– alles ist voller Leben.
Ich koche mit Leidenschaft – und esse mit Genuss alleine und gemeinsam mit anderen.
Von den vielen Ehrenämtern und überquellenden Aufgabenbereichen meines bisherigen Lebens erhole ich mich gerade – und öffne neue freie Altersräume. Das ist herrlich. Ich genieße eine neue unverhoffte Fülle und Tiefe in meinem Leben – und teile sie gerne mit Menschen und der Natur.

Wie begegnest Du Deinen Teilnehmenden? Wie "unterrichtest" Du?

Ich wiederhole etwas ausführlicher:
Es geht in meiner sozial-künstlerischen Arbeit NICHT um Vermittlung– ich unterrichte nicht.
es geht um gemeinsames Gestalten – und ich stelle die Techniken meiner Professionalität (Atem, Stimme, Bewegung) zur Verfügung, so wie ALLE anderen Beteiligten ihre ... so gibt es Befruchtung und Verwandlung – und darauf kommt es mir an: Momente des Mensch-Werdens zu ermöglichen, und dadurch real Materie, Welt, Umwelt zu verwandeln. Im ganz kleinen Moment – wie in vielen kleinen Wendepunkt....
Also: ich rege Forschungswege an – in Atem, Stimme, Bewegung – Entdeckungen werden möglich, denen jede:r eigenständig folgen kann – diese Entdeckungsreisen begleite ich, beobachtend, interessiert, fragend ... daraus kommen neue Fragen, neue Vorschläge, nächste Schritte ... so entwickeln sich Prozesse – manchmal heiter, manchmal schwierig, manchmal sogar schmerzhaft --- darauf kommt es mir an – dass diese Prozesse in Gang kommen und dass SIE uns leiten. Dass wir in ein Gespräch kommen, mit dem Thema, dem Prozess, der sich zeigenden Aufgabe.
WIR – es ist für mich immer gemeinsam, gleichzeitig.
Darin findet jede:r die ganz spezielle eigene Ausrichtung und Vertiefung.
In meinen Kursen gehört zur Einzelarbeit natürlich auch die Gruppe, beim gemeinsamen Bewegen, Sprechen, Singen ––– chorische Arbeit eröffnet wieder ganz neue Räume, Anforderungen, Möglichkeiten.
Auch hier gilt: Es geschieht gemeinsam – Dialog – in Wort und Tat – Reflexion, Forschung und Entscheidung sind wichtige Aspekte dabei.
Der Genuss – dass Gruppe ganz wunderbare Trageräume entfalten kann, ist ein weiterer wichtiger Aspekt, der alle glücklich macht, wenn es geschieht.

Bei längeren Kursen (ab zwei Wochen) ist es mir auch wichtig, dass das „DARSTELLENDE“ meiner Künste zum Tragen kommt: etwas zu teilen, mit-zu-teilen, mit Menschen, die NICHT am Prozess beteiligt waren – auch wenn niemand professionell ist, nichts perfekt und zu Ende gekommen – Ausschnitte aus dem Entdeckungsweg, den Gestaltungsformen, die entstanden sind, in „fremde“ Augen und Ohren und Herzen zu tragen, ist unwahrscheinlich wirkungsvoll – es gibt ein Echo – es gibt Berührung – es gibt Austausch – und gerade das vertieft die Erfahrung von Sinn und extremem Nutzen künstlerischer Arbeit – die Aspekte, die im Spiegel der Gemeinschaft deutlich werden, wissen wir Darstellenden oft gar nicht, sie entstehen im gemeinsamen Prozess der „Darstellung“ und „Aufnahme“ – des Austauschs .
In der Sommerakademie ist das besonders stark, denn die „fremden“ Augen, Ohren und Herzen sind nur fremd in Bezug auf die künstlerischen Mittel, nicht auf den Verwandlungsprozess, den jeder und jede Teilnehmer:in der Sommerakademie macht das auf ihre Weise – und das warme Interesse – wie es wohl in den anderen Gruppen und Arbeitswegen aussehen mag, ist enorm und stark – und wirkt wie eine zusätzliche Geburtshilfe – oft bringt der Abschlussrundgang Durchbrüche und Sicherungen, die nicht voraussehbar waren.
Sehr wichtig sind mir die tägliche abendliche meditative Verinnerlichung in meinen Kursgruppen ... denn in der Kürze der Zeit passiert täglich so viel – das will in Ruhe verdichtet und eingehüllt werden, bevor der Schlaf alles in die eigene Erinnerungslandschaft einarbeitet. So steht uns am nächsten Tag die Fülle zur Verfügung.
Dazu gehört auch der Abschluss am Samstagvormittag – mit einer ausführlichen gemeinsamen Reflexion: Was ist eigentlich passiert? Wie bin ich gekommen? Was waren meine/unsere Wege und was nehme ich mit ...?

Also: Es entstehen ganz unverhoffte, unbekannte, aufregende Möglichkeiten – oder wie eine Teilnehmerin zusammenfasst: Der Alltag ist neu hinterher!