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Tanja Striezel

Tanja Striezel

 

Tänzerin, Lehrerin für Alexander-Technik und Contact Improvisation, Personzentrierte Beraterin. Tanzt Contact seit über 25 Jahren und unterrichtet es seit etlichen Jahren in unterschiedlichen Formaten, immer noch fasziniert vom tiefgreifenden Potenzial von Berührung und Bewegung.

4 Fragen an Tanja Striezel

Was bewegt Dich in Bezug auf Deine eigene künstlerische Arbeit?

Contact Improvisation als soziale Tanzform ist eine vergängliche Kunst, da jeder Moment frisch improvisiert im nächsten Augenblick wieder vergeht. Man kann Contact nicht alleine tanzen, es braucht andere Menschen, um diese Tanzform zu praktizieren.
Da jede Situation nur eine flüchtige Momentaufnahme ist, braucht es präsente Schauende, die das Bewegen bezeugen.
Allerdings werden durch die Improvisation Werkzeuge gelernt, die über den Tanz hinaus tauglich sind, Wahrnehmung und Möglichkeiten im alltäglichen Leben erweitern.

Was möchtest Du – in Bezug auf die künstlerische Vermittlung – bewegen?

Die Contact Improvisation findet in einem non-hierarchischen Feld statt, das Begegnung und Miteinander fördert, jenseits von Richtig und Falsch, Konkurrenz und Leistungsdruck.
Mir ist in diesem Feld die somatische Praxis wichtig, dass wir wieder mehr wahrnehmen, spüren, einfach sein dürfen und uns entfalten ohne Müssen und Sollen, sondern nach innen lauschend, was gut ist für uns in jedem Moment. Durch das gegenseitige Zuhören, das Aufeinander-bezogen-Sein und die Spielfreude, die dabei entsteht, erfahren wir ein anderes soziales Miteinander in der Begegnung. Nähe und Verbindung wird erfahrbar.
Mir ist es ein Anliegen, diese andere Art der Begegnung und Verbindung in die Welt zu bringen.

Wie bist Du "in der Welt" zuhause?

Der Boden in der Ruhelage gibt mir Kraft, Erdung und Inspiration (nicht nur) zum Unterrichten.
Genauso gerne bin ich in Bewegung, tanzend, improvisierend, aber auch spazierend.
Mit jeder Zelle meines Körpers ganz präsent dem Bewegungsdialog zu lauschen und zu folgen, beschert mir fast immer eine tiefe Ruhe, aus der Erkennen und Verstehen hervorgehen.
Ich liebe es, in einem lebendigen, durchlässigen Körper und wachen Geist zu sein.

Wie begegnest Du Deinen Teilnehmenden? Wie "unterrichtest" Du?

Ich lade in meinem Unterricht einen Raum ein, in der jede und jeder erstmal in Ruhe bei sich selbst ankommen kann. Dieser Selbstkontakt entscheidet über die Atmosphäre im Raum und die Qualität der tänzerischen Begegnung.
Mir ist es wichtig, Vertrauen einzuladen, um die Nähe in der Berührung zulassen zu können.
Das Unterrichten ist für mich ein kreativer Prozess, der mich lebendig macht und mich selber immer weiter lernen und verstehen lässt, zusammen mit meinen Teilnehmenden. Diese forschende offene Haltung ist mir auch im Vermitteln wichtig, ich möchte Neugier und Experimentierfreude einladen genauso wie Präsenz, Tiefe und Leichtigkeit, sodass Entfaltung von innen heraus entstehen kann.
In der Sommerakademie ist es vor allem spannend, Menschen über einen längeren Zeitraum begleiten zu können. An etwas dranzubleiben und zu vertiefen ist mir eine Freude. Ich mag es auch, wenn sich das Tanzen mit dem Leben vermischt, da wir da ja so halb miteinander vor Ort wohnen und die Tage gemeinsam verbringen, wie sich das gegenseitig durchwirkt.